aktenlage
Zeitschrift für Regionalgeschichte Selm und Umgebung - ISSN 2366-0686

Löschanstalten und Gerätschaften (1817)

Im Februar des Jahres 1817 erinnerte die Königlich Preußische Regierung in Münster die Landratsämter daran, die Polizei-Gesetze zur Verhütung von Feuersbrünsten streng zu handhaben und verlangte von den Bürgermeistern, die Brand-Vorkehrungs- und Löschanstalten ... in einem sofort aufzunehmenden Verzeichniß nachzuweisen.[1] Binnen sechs Wochen sollten dem landrätlichen Kommissar von Schlebrügge Auskünfte zu den folgenden Punkten vorliegen:[2]


Edmund Fuisting, der seine Amtsgeschäfte als Borker Bürgermeister auf Botzlar führte, stellte gerade ein „Feuer-Societäts-Cataster“[3] für die Bürgermeisterei Bork zusammen; er nahm sich auch dieser Bestandsaufnahme an. Anfang Mai 1817 konnte er dem Landrat anzeigen, dass

a. im Kirchspiel Selm

eine Feuerspritze vorhanden sei und jeder Hausgesess[4] über einen Eimer und einen Feuerhaken verfüge. Bei der Feuerspritze befänden sich auch noch 2 Leitern – ... alles so wie der Aufbewahrungsort im brauchbaren Stande.

b. im Kirchspiel Bork

sich drei Feuerspritzen befänden nebst 3 Leitern ... letztere aber nicht im guten Stande. Neue Leitern würden nebst einem Abdache zur Aufbewahre derselben ungefähr 45 Thaler 4 Groschen kosten; der Betrag sei bereits im Etat aufgenommen. In Bork sei übrigens ein jeder Hausgesesse mit einem Eimer und Haaken versehen – und im gute brauchbaren Stande.

c. das Kirchspiel Altlünen

aber keine Feuerspritze besäße, weil dieses Kirchspiel theils von Borck, Cappenberg und der Stadt Lünen begrenzt werde; indessen sei ein jeder Hausgesess ... aber mit einem Feuer Haaken und Eimer versehen.

Mechanikus Severin inspiziert die "Löschanstalten und Gerätschaften" im Amt Bork (1819)

Kaum zwei Jahre später stellt die Bezirksregierung im Amtsblatt den Hagener Mechanikus Severin vor[5], der sich seit Jahren ausschließlich mit der Anfertigung von Feuerspritzen beschäftige und mit glücklichem Erfolge die neuern Erfindungen und Vorschläge anwende. Erst kürzlich habe er tragbare Spritzen für das Münsteraner Schloss geliefert, zum schnellen Löschen einer ausbrechenden Flamme im Innern der Gebäude. Für hundert Taler seien auch größere Spritzen mit kupfernem Kessel zu haben, die sich für abgelegene Gehöfte oder Bauerschaften eignen würden.

Die Behörde ist sehr angetan und belässt es in diesem Fall nicht bei einem werbenden Hinweis im Amtsblatt. Vielmehr habe man von den wesentlichen Theilen einer Feuerspritze Musterstücke anfertigen lassen, die den Spritzenmachern unsers Regierungs-Bezirks auf Verlangen vorgezeigt werden. Bei den Landräten könnten zudem Zeichnungen und Muster-Kostenanschläge eingesehen werden. So wolle man erreichen, dass mitgetheilten Normen bezüglich der Abmessungen und der Konstruktion möglichst beachtet werden. (Die nebenstehend abgebildeten Zeichnungen fertigte Severin im September 1818, sie befinden sich im Landesarchiv NRW, Abteilung Westfalen, vgl. unten.)

Um jedoch die jetzige Beschaffenheit der vorhandenen Feuerspritzen kennen zu lernen und zu erfahren, was zu verbessern oder zu reparieren sei, werde man Severin auf eine „Umreise“ durch den Bezirk schicken, welche am 1. März (1819) im Kreis Lüdinghausen beginnen solle.

Der Mechanikus werde bei seinen Besuchen

a) den vorhandenen Zustand der Spritzen,
b) die anwendbare Verbesserung einzelner Theile,
c) die nöthige Reparatur
und
d) den Effekt, welchen die Spritzen bei der Probe geleistet haben

untersuchen und messen.

Das Ergebnis habe Bürgermeister Fuisting mit Vorschlägen und Kostenberechnungen über den zuständigen Landrat an die Regierung zu schicken. Kleinere Verbesserungen und Reparaturen bis zu einer Summe von zwanzig Talern, möge man sogleich von Ortshandwerkern ausführen lassen. Mechanikus Severin werde die Arbeiten leiten oder eine schriftliche Anleitung zurück lassen.

Von den Landräten erwartete die Regierung, dass sie einen Reiseplan für den Severin in Bereitschaft halten und die Bürgermeister anweisen, den Zweck eifrigst zu unterstützen.

Anfang Juli 1819 waren die in der Bürgermeisterei Bork vorhandenen Feuerspritzen an der Reihe. Das Gutachten erhielt Fuisting durch einen Boten. Mit Datum vom 4. Juli 1819 beschreibt Severin den Zustand der Feuersprützen nebst den übrigen Löschgeräthschaften in Selm, Bork, Hassel, Netteberge und Übbenhagen:

Abschrift

Auf Befehl der Königlichen Hochlöblichen Regierung zu Münster vom 21ten Janr. d. J. wurden die Feuersprützen nebst den übrigen Löschgeräthschaften herangebracht, visitirt , und in ihrer Stärke versucht.

Selm

[1] Linie = 12 Skrupel ≈ 2,179 mm
[2] Zoll = 12 Linien ≈ 26,15 mm
[3] Fuß = 12 Zoll ≈ 31,3854 cm

ad 1 tens

Die Sprütze zu Selm bedarf einer Verbesserung der Kolben und ist dieserhalb ein dortiger Schuster angewiesen, die kleine reparatur zu bewirken. Auch müssen 3 Leitern und 3 Haken von 15. 18 und 20 Fuß lang nach der Beschreibung in Werne, angeschafft werden.

Überdies muß ich bemerken, daß das Sprützenhaus schleunigst reparirt werden muß, weil die Sprütze in dem privat Hause der Feuersgefahr ausgesetzt seyn dürfte.

Bork

 ad 2 tens

Die Reparatur der Borckschen Sprütze ist mittels meiner weitern Anweise bewirkt worden, und habe die desfalsige kleine Rechnung auf der Stelle revidirt. An Feuerhaken und Leitern fehlt es nicht. 12 lederne Eimer müssen aber bei der Sprütze angeschafft werden, und statt des Strohs muß der Boden des Sprützenhauses bebrettert werden.

Hassel

ad 3 tens

Die Sprütze in der Bauerschaft Hassel ist v. J, von dem Kupferschläger Wencken in Dortmund angeschafft worden, der lederne Schlauch ist aber in seinen Näthen so schlecht gemacht worden, daß derselbe durchaus zurückgegeben und an deren Stelle ein Neuer gefertigt werden muß. Auch fehlen zu dieser Sprütze die gehörigen 12 Eimer, Haken und Leitern.

Netteberge

ad 4 tens

Unbedeutende Mängel sind auch an der Stelle an dieser Sprütze verbog... Der Schlauch ist indeß aus Mangel ... Schnurs verstorben, und wäre es sehr nöthig daß ein neuer Schlauch angefertigt würde. Außerdem fehlen auch an dieser Sprütze 12 lederne Eimer, 3 Haken, 3 Leitern von Tannen einbäumiges Holz gefertigt, wie die in der Bürgermeisterey Werne veranschlagt worden sind.

Übbenhagen

ad 5 tens

Bei dieser Sprütze war sowohl der Schlauch als Kolben fehlerhaft, welche dem Schuster gehörig angewiesen worden. Außerdem fehlen, 12 lederne Eimer 3. Leitern und 3 Haken, zu den letzteren dürfen nur die Tannen Bäume angeschlagen werden, weil die eisernen Haken noch da sind.







Kraft Auftrag der König. Regierung zu Münster
Der Bürgermeister
gez. Fuisting                            gez. Severin

Juni 2017
______________________________
[1] Amtsblatt, Regierung Münster, 1817, Nr. 5, S.38f.
[2] StA Selm, AB-1 462, Feuerpolizei Generalia 1807-1899 – Wenn nicht anders zitiert, folgt die Darstellung dieser Akte.
[3] Stadt Selm Hrsg., Stadtarchiv, Udo Kaiser (bearb.), Das Feuer-Societäts-Cataster der Bürgermeisterei Bork, Ein Beitrag zur Siedlungs-, Familien- und Sozialgeschichte des ehemaligen Amtes Bork, Selm 1997.
[4] Hausgesess (auch: Hausgesäß) ist eine frühneuhochdeutsche Bezeichnung für einen festen Wohnsitz in einem Haus oder einer Kate mit eigener Feuerstelle bzw. für den gesamten dort wohnhaften Haushalt und hat somit die Bedeutung von “in einem Haus ansässig”. – wikipedia: Hausgesess 05.11.2017.
[5] Amtsblatt, Regierung Münster, 1819, Nr. 5, S. 40ff.

 
Email