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Zeitschrift für Regionalgeschichte Selm und Umgebung - ISSN 2366-0686

Anmerkungen zum Deutschunterricht

Christel Gewitzsch

Erster Akt
1. Szene
Stube des Schulmeisters.

Schulmeister sitzt am Tische und schenkt aus einer großen Flasche sich ein Glas nach dem andern ein. Utile cum dulci, Schnaps mit Zucker! – Es wird heute ein saurer Tag, - ich muß den Bauernjungen die erste Deklination beibringen. Ein Bauerjunge und die erste Deklination! Das kommt mir vor als wenn ein Rabe ein rein Hemd anziehen wollte![1]

Nicht alle Pädagogen des 19. Jahrhunderts teilten diese so pessimistische Auffassung. Auch Bernard Overberg[2] nicht, der in einem Vorwort zu einer Sprachlehre schrieb: Ihre kleine deutsche Sprachlehre für Anfänger habe ich mit Vergnügen gelesen. Meines Erachtens wird sie ihrem Zweck, die Denk- und Sprachfähigkeit zu entwickeln, nicht verfehlen, wenn sie mit den Anfängern, sey es in Städten oder auf dem Lande, gehörig durchgearbeitet und ihnen eingeübet wird[3].

Die erste – oder auch starke – Deklination[4] wird in dieser Sprachlehre schon auf Seite 16 behandelt. Nachdem der Verfasser erklärt, dass die Hauptwörter mit ihren Geschlechtswörtern verändert werden können und beim Abändern vier Endungen [benutzt werden], die man durch besondere Kunstnamen [Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ] unterscheidet, ermahnt er das Schulkind: Diese Namen mußt du gut auswendig lernen; daß du sie ganz fertig hersagen kannst.

In den dazu vorgeschlagenen Übungen sollen die Schüler zuerst den Singular und den Plural erkennen, dann den Genitiv und den Plural bilden, dann Einheit und Mehrheit mit dem unbestimmten Artikel bilden usw. Zur Einübung werden ihnen fehlerhafte Sätzen vorgelegt, die sie korrigieren sollen, wie z.B.: Münster hat viele schöne Heuser. Die Schwene haben lange Helse. Hol den schwam, und wische den tisch ab. ...

Doch es blieb umstritten, ob die Sprachlehre überhaupt in die Elementarschule gehörte. In einem Anleitungsbuch von 1845 ist zu lesen: Es gibt eine Partei von praktischen Schulmännern, die behauptet, ein „wissenschaftliches System“ gehöre überhaupt nicht in die Volksschule.[5] Der Verfasser hält ihnen entgegen, solch eine Haltung sei eines denkenden Lehrers unwürdig; so sprechen die Trägen und Dummen. Dieses Urteil ist für den am Anfang vorgestellten Schulmeister aus Grabbes Lustspiel durchaus angemessen.

Der Seminarlehrer Fix aus Soest, der 1856 einige Elementarschulen des Kreises Dortmund besuchte und auf dieser Reise auch die Schule in Lünen inspizierte, hob die Grammatikkenntnisse der Kinder in der Oberklasse besonders hervor. Die Schüler zeigten sich mit den grammatischen Formen und Bezeichnungen der Rede- und Satztheile sehr genau vertraut; [er] habe indessen nicht erwarten können, ein solches Eingehen in die sprachlichen Regeln und Gesetze noch in irgend einer Volksschule, sei es auch eine städtische, vorzufinden.[6] Die Art und Weise allerdings, in der der Lehrer Neuschmidt diese Übungen an den Lesestoff anschloss, gefiel ihm gar nicht; denn sie dienten in keiner Weise einem gründlicheren Verständnis des Gelesenen.

Lesen und Schreiben

Das Erstaunen des Seminarlehrers kam nicht von ungefähr. In den Berichten der Kreisschulinspektoren anlässlich ihrer Unterrichtsbesuche spielten Übungen in der Sprachlehre keine große Rolle. Mal merkte der Inspektor an, dass die Schüler neue Eigenschafts und Thunwörter in Sätzen setzen[7] konnten, mal stellten [die Schüler] Bindewörter und die Endungen der persönlichen Fürwörter in Sätze. Aber noch in den späten 80er Jahren musste der Inspektor feststellen, es zeige sich eine bodenlose Unwissenheit bezüglich der Fürwörter und Zeitenwörter die nach dem Lehrbericht doch in Reihe von Wochen behandelt waren.[8]  In diesem speziellen Fall lag das Problem allerdings mehr in der Dienstauffassung des Lehrers.

Im Vordergrund des Deutschunterrichts standen die Lese- und Schreibübungen. Bernard Overberg begann in seinem schon 1788 in Münster Mit Erlaubniß hoher Obrigkeit[9] erschienenen und immer wieder aufgelegten ABC-Buch mit Vorübungen, in denen die Schüler nach dem Punkte mit unterschiedlichen Strichen bekannt gemacht wurden. Danach ging es weiter mit den kleinen und großen Buchstaben der Schreib- und Druckschrift. Nach dem Lernen der Buchstaben wagte man sich in allen Schulbüchern an Silben, an einzelne Wörter und kurze Sätze heran. Später sollten die Kinder Erzähltes oder Gelesenes schriftlich wiedergeben. Erfreut zeigten sich die Inspektoren, wenn sie bemerkten, dass die Schulkinder nicht nur verständlich lasen, sondern auch den Inhalt der Lektion gut gefasst hatten. So lobte der Kreisschulinspektor nach einem Besuch bei der Lehrerin Zurbrügge in Selm: Das Examen der Lehrerin war geeignet das Gelernte zum besseren Verständniß zu führen und auf die Frage, was sie aus der Lektion lernen könnten, wurde eine und andere Lehre richtig angeführt. Es mußt daraus erkannt werden, daß die Lehrerin es mit dem mechanischen Ablesen nicht abgethan sein läßt.[10]

Die Fähigkeiten der Kinder in der Mädchenschule von Selm fasste der Inspektor 1837 so zusammen: Die untern Klassen lesen und erzählen gut, und geben einige kleine Sprüche, die sie auswendig gelernt hatten, gut artikuliert und betont wieder.

Die mittlere Klasse, welche in Kellermans Geschichte las, wußte mehrere Geschichten gut zu erzählen, nach Verhältniß besser als die 2te, die erste Klasse las mit Fertigkeit und guter Betonung.

Ein Jahr später lautete sein Urteil wie folgt: Die untern Klassen waren im Buchstabiren, Lesen und Rechnen gut eingeübt, nur lasen sie zu geschwind und ohne Nachdruck. Die mittlere Klasse und die obern Klassen zeigten sich beym Lesen schon mehr an scharfen Ausdruck gewöhnt, Fragen aus der biblischen Geschichte wurden gut beantwortet. Von der Mittelklasse konnte etwa die Hälfte Geschichten im Zusammenhang gut erzählen. Die obern Klassen waren hierin recht gut geübt. [...] Bindewörter in Sätzen zu geben, machte ihnen keine besondere Schwierigkeit. Die Aufsätze und Handschriften waren gut.

Zwanzig Jahre später, die Lehrerin war immer noch dieselbe, bescheinigte der Inspektor ihr, dass sie sich im Unterricht viel Mühe gab, obwohl bei der öffentlichen Prüfung nicht ganz frei von Befangenheit. Die gerade eingeschulten jüngsten Kinder waren im Buchstabiren einzeln und im Chor wie im Zählen lebhaft und laut. Silben von der Tafel abschreiben nahm sie sichtlich in Anspruch. Alle Klassen lasen fertig und bedachtsam, nur müßte kräftiger Ausdruck empfohlen werden.

So oder ähnlich formulierte der Kreisschulinspektor in der Regel seine Beobachtungen.

Mehr über Schulbücher

Das schon oben erwähnte Schulbuch von Bernard Overberg war auch nach der Zeit des Hochstiftes im Regierungsbezirk Münster weit verbreitet, auch im Amt Bork. Erst 1878 wurde anstelle dieses Buches eine im Auftrag des Königlichen Provinzial-Schul-Kollegiums erstellte Fibel samt Lesebuch für den Gebrauch an allen katholischen Schulen des Bezirks vorgeschrieben. Bis dahin folgte man wohl der Einschätzung des ehemaligen Regierungs- und Schulrats Gansen, der in seiner Einleitung zu Overberg „Anweisung zum zweckmäßigen Schulunterricht“[11] schrieb: Die Absicht dieser Fibel war, die Kinder auf leicht und angenehme Art lesen zu lehren, sie zugleich im Nachdenken und Aufmerken zu üben; sie sollten die Worte gleich mit den Sachen verbinden und so von vornherein zu nützlichen Kenntnissen und zu der Erkenntnis Gottes hinführen.

Ein 1831 in Hamm erschienenes, von einem Elementarlehrer[12] verfasstes Leselernbuch lehrte die Kinder in einer unorthodoxen Reihenfolge die Konsonanten in der Lautung mit den Vokalen, beginnend beim Buchstaben m mit der Reihe ma, mu, me, mi, mo, mü, mö, mä, gefolgt von am, em, im, um, om usw., bis er auf Seite 9 zu den ersten einsilbigen Wörtern kommt, z.B. das, wer, bin, hin, gut etc. Zwei- und mehrsilbige Wörter erscheinen sofort mit den Trennungsstrichen, ab Seite 17 werden sie getrennt geschrieben, aber ohne Zeichen, was sich für den Rechtschreibfortschritt der Schüler vielleicht nicht so positiv auswirkte. Der erste abgedruckte Vers sieht dann folgendermaßen aus:

Ein Bäum chen trug schon jung und zart
Viel Früch te von der be sten Art.
Seid, Kin der, die sem Bäum chen gleich,
Seid stets an gut en Früch ten reich!

Ein anderes „ABC und Lesebuch nebst einer Anleitung, die Kinder in kurzer Zeit regelmäßig lesen zu lehren“[13] erfreute das Schülerauge sicherlich mehr, denn es beginnt über zehn Seiten mit Abbildungen zu alphabetisch geordneten Wörtern von Adler bis Ziege. Es macht dann mit Grundlauten und Mitlautern bekannt, fügt das Alphabet in gewöhnlicher Folge (Größtentheils zur Selbstbeschäftigung der Kinder.) an, bevor es über zusammengesetzte Formen, wie Pf, Ph, Sp, usw. zu den einfachen Wörtern kommt, zu Hauptwörtern mit großen Anfangsbuchstaben. Danach lernen die Kinder Unechte Buchstaben (z.B.: qu wie kw; ch wie k), die Dehnungszeichen, die Schärfungszeichen, Doppelte Mitlauter (br, pl, dr), bevor sie im elften Kapitel zu den Uebungen im Sylbenabtheilen mit Regeln kommen. Es geht weiter mit den gewöhnlichsten Vorsylben und  den gewöhnlichsten Endsylben, bevor nach vier Leseregeln das Kind mit Übungen an kleinen Sätzen und Denksprüchen seine Lesekunst erproben darf.

Bei diesen Sprüchen - und auch bei den später folgenden kleinen Geschichten - ist der pädagogische Zeigefinger allgegenwärtig und die Lehrer wurden gelobt, wenn es ihnen gelang, den Schülern Verhaltensregeln aus den Texten mit auf den Weg zu geben. Noch heute bekannte Wendungen wie Aller Anfang ist schwer.- Die Morgenstunde hat Gold im Munde. - erscheinen neben Ermahnungen für das Kind: Ein gutes Kind ist seines Vaters Ehre / Und seiner Mutter Freude. – Arbeit macht uns frohe Tage, / Trägheit wird uns bald zur Plage. – Kinder, die sich nicht vertragen, / Die sich necken und verklagen, / Haben kleine böse Herzen, / Machen ihren Eltern Schmerzen.  

Die vorangestellten Leseregeln lauten: Lies ohne Singen, wie man spricht, / Lisple, stott’re, lei’re nicht; / Gib die letzten Sylben rein, / Setz‘ den Ton, wo er muß seyn.

In einer Auflistung der Gerätschaften und Utensilien im Amt Bork findet man für die Schule in Cappenberg das Buch „Der Kinderfreund“[14]. Auch die Geschichten dieses Buches zeigten den Kindern Beispiele für wohlgefälliges Tun; den Faulen und Bösen erreichten unausweichlich die verdienten Strafen. 1845 rief diese Art der pädagogischen Einflussnahme ätzende Kritik hervor. Im Vergleich mit anderen, musterhaften Schulbüchern würde es dem „Kinderfreund“ an Humor, Spaß und Phantasie mangeln, die erfundenen und gemachten Histörchen vom guten oder vom bösen Kinde seien seicht, kindisch und läppisch, eben eine fade, abgeschmackte Kost ohne Salz und Schmalz.[15]

Ein Beispiel aus dem „Kinderfreund“: 9. Der Geschickte.
Martin hatte in der Jugend gelernt mancherley Ackergeräthe zu machen, und wenn in langen Winterabenden die andern jungen Leute mit Schlafen, Müssiggang und Thorheiten, die Zeit verdarben; so saß Martin und schnitzte allerhand nützliche Sachen. Auch hatte alles ein Geschicke, was er verfertigte, und man konnte sehr gut damit hanthieren. Als er nun groß wurde, da ward er bald Meyer oder Hofmeister, denn er konnte auch gut säen; bekam mehr Lohn, und hatte noch sonst mehr Vortheile zu genießen, als andere Knechte.
Wer geschickt ist, den hält man werth.
[16]

Neue Regelung

1872 erließ der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten allgemeine Bestimmungen für das Volksschulwesen, in denen die Inhalte des Deutschunterrichts wie folgt festgelegt wurden:

22. Der Unterricht im Deutschen.

Der Unterricht im Deutschen schließt die Uebungen im Sprechen, Lesen und Schreiben ins sich. Diese Gegenstände müssen auf allen Stufen in organischem Zusammenhange mit einander bleiben, und, soweit dies angeht, in gleichmäßigem Fortschritte gefördert werden.

23. Die Uebungen im mündlichen Ausdrucke.

Die Uebungen im mündlichen Ausdrucke erfordern keinen abgesonderten Unterricht. Sie bereiten vielmehr den Schreib- und Leseunterricht vor und begleiten ihn auf seinen weiteren Stufen.

Ihre Stoffe nehmen sie auf der Unterstufe von den einfachsten und den Kindern zumeist bekannten Gegenständen, auf der Mittelstufe von Gruppenbildern u. dergl., auf der oberen von den Sprachstücken des Lesebuches.

Ihr formelles Ziel ist, fortschreitend auf den verschiedenen Stufen, die Befähigung des Schülers zu richtiger und deutlicher Aussprache jedes einzelnen Wortes und zum freien Ausdruck seiner Gedanken im einfachen Satze, die Befähigung zum correcten und sicheren Ausdruck im zusammengesetzten Satze unter Ueberwindung der gewöhnlichen Fehler im Gebrauche der Wortformen und in der Satzbildung, und endlich die Befähigung zur freien und richtigen Wiedergabe fremder Stoffe, wie zur Ordnung und klaren Darstellung der eigenen Gedanken.

24. Der Unterricht im Schreiben und Lesen.

Der Unterricht im Schreiben und Lesen ist nach der im Seminare des betreffenden Bezirks eingeführten Methode zu ertheilen; die Anwendung der Buchstabirmethode ist ausgeschlossen.

Ziel ist: für die Unterstufe die Befähigung der Kinder zusammenhangende Sprachstücke richtig lesen und kurze Sätze nicht nur ab-, sondern auch selbständig aufschreiben zu können, für die Mittelstufe diejenige, ganze Sprachstücke in gebundener und ungebundener Rede, in deutscher und lateinischer Schrift ohne Anstoß und sinnrichtig zu lesen, ein einfaches Dictat richtig aufzuschreiben und ein nach Form und Inhalt leichtes Sprachstück selbständig niederzuschreiben. Auf der Oberstufe sind die Schüler dahin zu führen, daß sie schwierigere Sprachstücke, deren Inhalt ihrem Lebenskreise nicht zu fern liegt, leicht und mit Ausdruck vom Blatt lesen, Dictate dieser Art fehlerfrei niederschreiben und auch größere Sprachstücke richtig wiedergeben können.

Für die Uebungen im Schreiben werden besondere Schreibstunden auf der Mittel- und auf der Oberstufe der Schule mit einem oder zwei Lehrern, sowie in den Mittelklassen der mehrklassigen Schule eingerichtet. In den Oberklassen der letzteren kann die Uebung außerdem zum Gegenstand häuslicher Aufgaben gemacht werden. Ziel des Unterrichts ist die Aneignung einer saubern, deutlichen und gewandten Schrift in allen, auch in schnell gefertigten Schriftsätzen.

Die Resultate eines guten Unterrichts müssen demnach in allen Heften der Schüler zum Vorschein kommen.

Als Inhalt der Vorschriften empfehlen sich volksthümliche Sprüchworter, gute und zeitgemäße Muster von geschäftlichen Formularen und Aufsätzen.

25. Der Unterricht in der deutschen Sprachlehre.

In den Oberklassen mehrklassiger Schulen sind für Unterricht und Uebungen in der deutschen Sprachlehre besondere Stunden anzusetzen; in der Schule mit einem oder zwei Lehrern ist derselbe mit dem übrigen Sprachunterrichte zu verbinden.

Ziel ist für die Mittelstufe: Kenntniß des einfachen Satzes und der einfachsten Verhältnisse aus der Wortlehre; für die Oberstufe: der erweiterte Satz und weitergehende Belehrungen aus der Wort- und Wortbildungslehre.

26. Das Lesebuch.

Dem gesammten Unterrichte im Deutschen liegt das Lesebuch zu Grunde.

Bei der Behandlung desselben ist womöglich der gesammte Inhalt desselben nach und nach zu verarbeiten.

Das Lesebuch ist nicht nur zur Erzielung der Lesefertigkeit, sondern auch zur Einführung in das Verständniß der in demselben enthaltenen Musterstücke zu benutzen. Die Auswahl der Stücke ist so zu treffen, daß jährlich wechselnd ungefähr 30 zur Behandlung kommen.

Geeignet Sprachstücke poetischer Form und zwar in Schulen mit einem oder zwei Lehrern besonders Volksliedertexte, werden auf allen drei Stufen nach vorangegangener Besprechung memorirt.

Auf der Oberstufe mehrklassiger Schulen wird das Lesebuch auch dazu benutzt, den Kindern Proben von den Hauptwerken der vaterländischen, namentlich der volksthümlichen Dichtung und einigen Nachrichten über die Dichter der Nation zu geben; doch beschränken sich diese Mittheilungen auf die Zeit nach der Reformation.

Die Auswahl der einzuführenden Lesebücher ist aus denen zu treffen, welche ein volksthümliches Gepräge tragen und durch ihren gesammten Inhalt den erziehlichen Zweck der Schule fördern.

Unter diesen aber verdienen diejenigen den Vorzug, welche in ihrer Form correct sind und auch in den geschichtlichen und realistischen Theilen nicht eigene Ausarbeitungen der Herausgeber, sondern Proben aus den besten populären Darstellungen der Meister auf diesem Gebiete geben und welche sich von kirchlichen und politischen Tendenzen freihalten. Für Schulen, welche von Kindern verschiedener Confessionen besucht werden, sind möglichst nur solche Lesebücher zu wählen, welche keinen eigentlichen confessionellen Charakter haben. Aus den bereits eingeführten Lesebüchern sind die Sprachstücke confessionellen Inhaltes in den Religionsunterricht zu verweisen.[17]

Oktober 2017
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[1] Christian Dietrich Grabbe, Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung, Ein Lustspiel in drei Aufzügen, Berlin 2015, S. 8.
[2] siehe auch auf dieser Website unter „So ein bisschen Bildung ...“
[3] Johann Heinrich Waldeck, Kleine deutsche Sprachlehre für Anfänger beiderlei Geschlechts mit vielen Übungsstücken, Münster 1828.
[4] 1. Deklination, z.B.: der Tisch/des Tisches/dem Tisch(e)/den Tisch// die Tische/der Tische/den Tischen/die Tische.
[5] F. C. Honcamp, Gedanken über den Unterricht in der Sprachlehre, Soest 1845, S. 4.
[6] LAV NRW W, Provinzial-Schulkollegium, Nr. 580.
[7] und folgendes Zitat: LAV NRW W, Kreis Lüdinghausen, Nr. 871.
[8] LAV NRW W, Kreis Lüdinghausen, Nr. 1089.
[9] und folgendes Zitat: Bernard Overberg, Neues ABC- Buchstabier- und Lese-Buch nach der im Hochstifte Münster eingeführten Lehrart. Münster, 1788, literaturportal-westfalen.de.
[10] und folgende Zitate: LAV NRW W, Kreis Lüdinghausen, Nr. 871.
[11] Bernhard Overberg, Anweisung zum zweckmäßigen Schulunterricht, Paderborn 1915, 7. Auflage, S. XXVI.
[12] Erster Unterricht im Lesen nach einer zweckmäßigen Stufenfolge, Hamm 1831.
[13] ABC und Lesebuch, Paderborn, 1832, urn:nbn:de:hbz:6:1-100696.
[14] Friedrich Eberhard von Rochow, Der Kinderfreund , 2. Theil, Frankfurt 1779.
[15] Honcamp, S. 45. In einer Anmerkung räumte Honcamp allerdings ein, die eben bei ihm eingetroffene neue Ausgabe des „Kinderfreundes“ habe sich inhaltlich in rühmlicher Weise verbessert.
16] Der Kinderfreund, 2. Teil, S. 12.
[17] Stadtarchiv Selm, AB-1 – 219.

 
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