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Zeitschrift für Regionalgeschichte Selm und Umgebung - ISSN 2366-0686

Wirtschaft

Dieter Gewitzsch

Adam Smith, Abb. s.u.

Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1860 befand sich Westfalen auf dem „Weg in die Marktwirtschaft“.[1] Die Provinz war keine homogene Wirtschaftsregion. Den konkurrierenden Konzepten für eine moderne Wirtschaftsordnung standen zählebige Traditionen entgegen. Stein und Vincke setzten nach englischem Vorbild auf eine Bürgerschaft, die auf der Grundlage von Eigentum und Bildung politische Mitverantwortung in einem Staat mit monarchischer Spitze übernimmt. Das napoleonische Erbe wurde nicht getilgt, aber seines revolutionären Charakters entkleidet. Preußen führte die Gewerbe- und Handelsfreiheit unter politischer Schonung der vorhandenen Besitzstände ein.

Doch die ältere, gewachsene Gewerbementalität zeigte Beharrungsvermögen. Die Freiheit von Handel und Gewerbe ließ sich nicht verordnen. Es bedurfte jahrzehntelanger Bemühungen, um marktwirtschaftliche Prinzipien und wettbewerbsorientiertes Denken bei den unternehmerisch tätigen Zeitgenossen zu etablieren, denn die Verheißungen des ökonomischen Liberalismus trafen nicht auf „weiße Flecken“, sondern auf traditionsbewußt Wirtschaftende, die es zu überzeugen galt.

In dieser Zeit, in der sich der zur Marktwirtschaft passende Typus „Unternehmer“ erst entwickelte, befanden sich die treibenden Kräfte in der Verwaltung. Adam Smith, der liberale schottische Nationalökonom, hatte in der preußischen Beamtenschaft viele Anhänger, zu denen auch der westfälische Oberpräsident gehörte.[2] Vincke war einer der wenigen Wirtschaftsfachleute unter den Spitzen der preußischen Verwaltung, ihn hatte das Staats- und Wirtschaftsverständnis Steins ... trotz späterer gravierender Differenzen nachhaltig beeinflußt.

Die hier eingestellten Beiträge beschränken sich auf lokale Beispiele wirtschaftlichen Handelns in regionalen Bezügen.

Kielmannsegge und Brüning unter den Gründern einer Bergbau- und Hütten AG   >>

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[1] Clemens Wischermann, Westfalens Weg in die Marktwirtschaft – Politik und Unternehmerschaft zu Vinckes Zeit, in: Hans-Joachim Behr und Jürgen Klosterhuis, Ludwig Freiherr Vincke, Ein westfälisches Profil zwischen Reform und Restauration in Preußen, Münster 1994, S. 309ff. – Wenn nicht anders zitiert, folgt der Text diesem Aufsatz.

[2] Burg, Peter, Ludwig Freiherr von Vincke, Münster, 1994 – lwl.org/westfaelische-geschichte/portal –  19.08.2015

 
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